unser Allgäu - unser Stolz

Will man etwas über die Gründung der Gastwirtschaft Stolz in der Memminger Straße erfahren, muss man im Geschichtsbuch der Stadt Kempten weit zurückblättern. Genauer gesagt bis in das Jahr 1903, in eine Zeit, als aufgrund des städtebaulichen Konzepts unter Bürgermeister Adolf Horchler die Freitreppe erbaut wurde. Sie schaffte die Verbindung zwischen der Rathausstraße in der ehemaligen Reichsstadt und der höher gelegenen Fischerstraße in der damaligen Stiftsstadt. Exakt zu dieser Zeit erbaute Johann Stolz an der nördlichen Stadtgrenze, der „Staatsstraße nach Altusried“ die St. Lorenz Brauerei und betrieb neben Braunbier auch die Weißbierbrauerei.

Es war die jüngste in der Reihe neustädtischer Brauereien. Gleichzeitig eröffnete Johann Stolz in dem Gebäude eine Bierwirtschaft. Neben dem Bierbrauen verstand sich der Wirt nämlich auch aufs Kochen von kräftigen Speisen, genauso wie seine Frau Theresia. Obwohl die mit der Erziehung der sechs Söhne Anton, Rudolf, Otto, Franz, Johannes und Eugen und dem Führen des Haushalts schon alle Hände voll zu tun hatte.

Drei Jahre zuvor war die Familie von Ulm nach Kempten umgezogen. Johann Stolz hatte erst mal Arbeit in der Gaststätte „Zachäus“ gefunden, die sein Besitzer, Zacharias Hehl, von 1898 bis 1912 in der Wiesstraße 80 betrieb. Auch er unterhielt eine eigene Brauerei. Um die Jahrhundertwende gab es nämlich 32 große und kleine Brauereien in Kempten.

Das Bier wurde damals in Fässern im Eiskeller gelagert und mit Eisstangen gekühlt. Den Transport der Fässer übernahmen Pferd und Wagen. Frisch ausgeschenkt wurde das Gebräu in der Wirtschaft. Oder es wurde von dem einen oder anderen Knirps im Auftrag des Vaters in Steinkrügen nach Hause geholt.

Fünf Söhne der Eheleute Johann und Theresia Stolz wurden ebenfalls Brauer und ließen sich an verschiedenen Orten nieder.

Eugen Stolz übernahm 1919 die Brauerei und Wirtschaft in Kempten. Er führte den Betrieb – jetzt St. Lorenz Brauerei – Eugen Stolz – wie schon seine Eltern mit Herzblut. 1960 wurde die Brauerei aufgegeben. Fünf Jahre später ging die Gaststätte wieder an ein Mitglied der großen Brauerfamilie über: Es war Mathilda Langenmayr, eine geborene Stolz.

An „seine Tante Hilda“ erinnert sich Otto Langenmayr, seit nunmehr zehn Jahren Eigentümer der Gaststätte Stolz, noch sehr gut. Auch an das Familienleben zur damaligen Zeit. „Das war bei allen Nachkommen von unserem Urgroßvater dem Wirtshausbetrieb untergeordnet“, erzählt er.

Und auch, dass die Gaststätte damals nicht von „Tante Hilda“ selbst, sondern von Rudolf und Betty Stolz geführt wurde. Betty habe alle vorherigen Wirtinnen getoppt, für sie sei das Gasthaus zu Hause gewesen, sagen heute die Nachkommen.

Hermann Stolz, Sohn von Betty und Rudolf, 1952 geboren und eines von drei Kindern, weiß das nur zu gut. „Die Wirtschaft war unser Wohn- und Spielzimmer, da hat sich das Leben unserer Familie, zu der auch Bedienung Helga gehörte, abgespielt“, erzählt er.

Im Mai 1980 wurde dann das ehemalige Sudhaus abgebrochen, um Platz für die Verlegung der Straße zu schaffen. Die „Äußere Rottachstraße“ wurde nach Süden auf das einstige Brauereigelände verlegt und eine neue Kreuzung an der Johannesbrücke gebaut.

Mit 72 Jahren ging Betty Stolz in den Ruhestand. Somit endete am 15. August 1991 die Ära Stolz als Brauer und Wirte des Familienunternehmens.

Quelle: Allgäuer Zeitung